Dagmar Varady

Medienkünstlerin im Bereich Intermedia

Reisen (nach Goethe) – erheitern, erhellen

In Varadys Ausstellung Reisen (nach Goethe) – erheitern, erhellen werden Arbeiten aus zwei Werkgruppen zu sehen sein. Material einer Reise und eine neue Gruppe, die eigens für die Ausstellung bei Irène Preiswerk in den Räumen der Galerie entstanden ist.

Der (Regenbogen) spiegelt ab das menschliche Bestreben. Ihm sinne nach und du begreifst genauer: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.

J. W. v. Goethe, Faust II, 1. Akt

Ausstellungseröffnung war am Sonntag, 23. März 2014, von 16 bis 18 Uhr.

Material einer Reise ist der Titel für eine imaginäre Grand Tour von Deutschland über die Schweiz nach Italien, ganz im Zeichen von Goethes „Italienischer Reise I und II“ (1786-88 und 1790), der 1775 die Schweizer Reise voran ging. Aus dem Material, das uns heute von Goethe zugänglich ist – Tagebuchaufzeichnungen, ein Konvolut aus 900 Zeichnungen, Dichtungen und Begegnungen, entsteht die Gruppe aus Fotoarbeiten, Büchern und Installation.

Das Buch ist ein zentrales Moment auch in der neuen Gruppe um die Bibliothek der Galeristin Irène Preiswerk, den Büchern u.a. zu Goethe und Gegenständen, die sich assoziativ in einem freien Spiel zu ordnen beginnen. An zwei Tagen arbeiten Galeristin und Künstlerin eng zusammen, um auf sinnlich-assoziative Weise, das „Material“ neu zusammen zu stellen. „Ernste Spiele“, so der Titel einer Ausstellung um den Geist der deutschen Romantik im Münchner Haus der Kunst 1995 liegt neben einem Goethe-Puzzle, der Johann Wolfgang Goethe-Tasse aus Porzellan, einem Prada-Schuh im Ancien-Stil oder dem Insel-Büchlein „Goethe und Tischbein in Rom“ mit der berühmten Zeichnung "Goethe in seiner römischen Wohnung, lesend auf zurückgelehntem Stuhl" (1787). Tischbein fertigte übrigens diese Zeichnung ohne Goethes Wissen und hat sie ihm später auch nicht gezeigt.

Der historische „Corpus der Goethe-Zeichnungen“, eine Sammlung aller Goethe-Zeichnungen ist zudem Anlass für eine neue Edition in Buchform als Edition erschienen.

Diese entsteht als Korrespondenz zwischen den Italien-Zeichnungen und Studien Goethes und eigenen Zeichnungen, die neu mit dem fortlaufenden Titel Erstes bis elftes Prismatisches usf. bezeichnet sind.

„Diese von Varady praktizierte Methode – als Weg und Verfolgung einer Spur – ist geprägt durch einen diskursiven und präsentativen Zugang zu den Erscheinungsbildern von Welt. Die diskursive Spur folgt Namen wie Goethe, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Angelika Kaufmann auf deren Reisen nach Rom. Hinzu kommen Inspirationsmomente zu Farbenlehre, Prisma und Landschaft.“

(Auszug, Paolo Bianchi, 2014)

Die Edition

Die Farbenlehre, Naturphänomene um Farbe und Licht stehen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Der Anspruch Goethes, das Unvereinbare Exaktheit, Sinnlichkeit, Phantasie zu verbinden ist Anleitung. Die Kapitel beziehen sich auf den Farbenkreis. So gibt es Gelb, Gelbrot, Rotgelb usw.

Nach Goethe: „( ...) stimmen sie regsam, lebhaft, strebend.“ Allein zu Gelb wären unendliche Assoziationen möglich. Auch im Sinne einer Farbenenzyklopädie könnte der Regenbogen metaphorisch für die Vielzahl der Farben und Erscheinungen stehen. Gelb: Widerschein entwickelt sich über b blau, blau roth bis Violett: purpur usw.